100 Jahre SPD Ortsverein Kirchhörde – Löttringhausen

Der Blick zurück

Ein 100. Geburtstag ist stets ein be­sonderes Ereignis. Wenn ein sozial­demokratischer Verein ein solches Alter erreicht und feiert, dann blickt man mit Stolz auf die vergangene Zeit zurück und erinnert sich gern der eigenen Geschichte.

Die Geschichte der Dortmunder Arbeiterbewegung geht bis in die 40 er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück; aber erst etwa seit 1865 wird der Zusammenschluss der Ar­beiterschaft deutlicher sichtbar. Der eigentliche Durchbruch kam aber erst nach 1890.

Es existieren nur wenig schriftliche Dokumente aus der Zeit vor 1900. Und doch gibt es viele Hinweise auf Aktivitäten von Sozialdemokraten in den südlichen Vororten von Dortmund, die damals noch zum Landkreis Horde gehörten. Erinnern wir uns: Das Sozialistengesetz wur-de!890 zwar nicht mehr verlängert. Die Polizeibehörden betrachteten die politische Agitation aber immer noch mit Argwohn oder offener Feindschaft. Ihre Aktivitäten waren daher meist mit Freizeitgestal­tung verbunden. Man traf sich bei Sport- oder Gewerkschaftsver­sammlungen, bei Freunden, bei Wanderungen oder im Gesangver­ein. Dennoch konnte man sich den Augen der Obrigkeit nicht immer entziehen oder musste mit Widrig­keiten rechnen. Dass sich die Wirte quer legten, war da sicher noch das geringste Übel.

Auszug aus „Westfälische Freie Presse“ (WFP) vom 1. Nov. 1890

Den Collegen von Kirchhörde, Lücklemberg und Umgebung hiermit zur Nachricht, dass die Versammlung beim Wirt Schwarz „ zur weißen Taube “ nicht stattfindet, indem der Wirth das Lokal verweigert. 

Der erste Mai – heute in vielen europäischen Ländern ein Tag zum feiern – war noch kein Feiertag. Damals zogen Gewerkschaftler und Sozialdemokraten noch mit ge­mischten Gefühlen zum vereinbar­ten Treffpunkt. So schrieb die WFP am 8. Mai. 1892 , dass die

„ zielbewussten Arbeiter von Kirchhörde und Umgebung auf ihrem Marsche nach dem Festplatz der Dortmunder Hobertsburg gegen eventuelle Knüppeleinfälle einer fanatisierten Gegnerschaft be­schirmt“ wurden. „Es muss auf einen unparteiischen Beurtheiler doch einen seltsamen Eindruck machen, die Arbeiterschaaren so ruhig und ernst ihres Weges an der bewaffne­ten Macht vorüberziehen zu sehen, welch letztere aufgeboten war, um etwaigen Ausschreitungen und blutigen Revolutionseinfällen des rothen Gespenstes sofort den Garaus zu machen.“

Fröhlicher ging es am Himmel­fahrtstag des gleichen Jahres zu, als der Ausflug des „Sozialdemo­kratischen Vereins“ planmäßig stattfand.

„ Eine Abtheilung begab sich über Brünninghausen, Kirchhörde nach der Schanze und von da nach der Hohensyburg, wo sie die übrigen Genossen antraf. Es wurde auf der Hohensyburg bis nach 5 Uhr verweilt, man erquickte sich an der prächtigen Aussicht und der herr­lichen Luft und die zahlreich anwe­senden Vertreter und Vertreterinnen der Bourgeoisie durch den ins Thal hinunter brausenden Gesang der Marseillaise, die offenbar beson­ders auf die Frauen und Töchter der Bourgeoisie, die man vor diesem erhebenden Freiheitsgesang wohl ängstlich zu behüten bestrebt sein wird.“

Die Aktivitäten dieses Jahres zeigen, dass man sichtlich Gefallen an Ver­anstaltungen dieser Art fand. Hatte doch „ in der letzten öffentlichen Par­teiversammlung das gewählte Komi­tee zur Vorbereitung der Lassallefeier …beschlossen, am Sonntag, den 14. August einen großen Parteiausflug nach dem Dorney Wald bei Oespel zu veranstalten. “ 

Was auch immer an diesem Tage geschehen ist: Drei Tage später waren „die vertriebenen aus dem Dorney “ eingeladen, „ das vom Parteiausflug übrig gebliebene Bier unter deklamatorischer und mi­mischer Begleitung“ zu trinken. 

Bei der Maifeier des Jahres 1894 trafen sich Sozialdemokraten aus Eichlinghofen mit Freunden aus Brünning­hausen, Wellinghofen, Kirchhörde und Hombruch, um Flugblätter und Parteiprogramme zu verteilen. Der Erfolg gab den Organisatoren Recht. Die SPD in Dortmund hat im Zeitraum von 1890 bis 1893 gewal­tig an Mitgliedern zugelegt. Dazu hat sicherlich auch die Tatsache beigetragen, dass seit Oktober 1890 die Dortmunder Arbeiterzei­tung erschien.

Freizeitaktivitäten waren aber nur ein Teil der Parteiarbeit. Über den Provinzial-Parteitag der SPD 1903 wird berichtet, dass die Vertrau­ensleute aufgefordert wurden, sich innerhalb der Bezirke zu Gruppen zu vereinigen, die ihre Benennung von den Stadtteilen her erhalten sollten. Drei Jahre später, im Jahre 1906, bestand der Reichstagswahl­kreis Dortmund – Horde aus 14 Be­zirken, die wiederum in 44 Filialen (Ortschaften) mit insgesamt 4805 Mitgliedern untergliedert waren. Die „Aktivitäten“ der SPD jener Zeit wurden genauestens beobachtet.

So schrieb der Dortmunder Ober­bürgermeisters unter dem Datum vom 25.6.1906 in einem Bericht an den Regierungspräsidenten – den „Stand der sozialdemokratischen Bewegung“ betreffend – dass der Kreisverein Dortmund über 4200 Mitglieder verfügt, darunter auch die SPD – Filiale Kirchhörde.

Diese Filiale existierte bereits seit dem 12.März 1905, wie man der Ar­beiterzeitung (AZ) vom 6.April 1905 entnehmen kann.

Die AZ vom ll.April 1905 weiß auch zu berichten, dass die „am Sonn­tag bei Wünnenberg tagende erste Mitgliederversammlung des Sozial­demokratischen Vereins gut besucht“ war.

Aus dieser Zeit stammen auch die Eintragungen im noch vorhandenen Mitgliederverzeichnis der „Filiale“ Kirchhörde, mit Genossen aus den Bereichen Kleinholthausen, Schanze und Löttringhausen. Fritz Hellweg, der spätere Gemeindevorsteher, war der erste, der mit sieben anderen die Mitgliederliste vom 1.01.1906 anführte. Die meisten Mitglieder in Kirchhörde waren damals Bergleute, die sich regelmäßig mit den Kollegen aus den Nachbarorten Hombruch, Barop und Eichlinghofen trafen und Versammlungen abhielten. Sie waren si­cherlich auch vertreten, als im Jahre 1889 im benachbarten Dorstfeld, im Lokal Ziegler, der alte Bergarbeiter­verband aus der Taufe gehoben wurde.

Gelebte Solidarität wurde damals unter den Kirchhörder Bürgern groß geschrieben. Beim Bergarbeiter­streik im Februar 1905 griff man sich gegenseitig unter die Arme. Immerhin „ging für die streikenden Bergleute in Kirchhörde folgendes ein: Der Arbeiter— Turnverein Kirchhörde schenkte am 5. Februar 30 Mark. Ferner gaben die Bäcker

meister Hugo Gebse 60 Brote, Herr Walkenhorst 40 Brote, Herr Gabel 30 Brote, Herr Partner 10 Brote, Herr Schildkötter 5 Brote. Außerdem zeichneten sämtliche Bürger und Geschäftsleute auf unsere Sammel­listen mit Ausnahme unseres Herrn Pastor Blomberg. Den Gebern besten Dank“.

Erst später tauchen auch andere Berufsbezeichnungen wie Eisen­bahner, Barbier, Wirt, Schuster und Lehrer auf.

Man kann der Arbeiterzeitung ent­nehmen, dass nach der Gründung des SPD – Vereins eine lebhafte Versammlungs- und Agitationsar­beit begann. So wurde u.a. be­schlossen, bei der Beerdigung eines Parteigenossen einen Kranz mit roter Schleife niederzulegen und die zukünftigen Filialversammlungen jeden letzten Sonntag im Monat, nachmittags 3 Uhr, im Lokal Wün-nenberg stattfinden zu lassen. Die Versammlungen erscheinen dann auch regelmäßig im Versamm­lungskalender. Am 14. Oktoberl906 fand die gemeinschaftliche Filial­versammlung des 6. Bezirks mit den Filialen Lücklemberg, Bittermark, Schanze, Kruckel und Hombruch in Kirchhörde statt. Sie hatten im Lokal Wünnenberg u.a. den Delegierten für den Parteitag des Bezirks westli­ches Westfalen zu wählen.

Die politischen Aktivitäten der Frau­en setzten später ein. Auf dem Provinzial-Parteitag der SPD Westliches Westfalen von 1907 waren erstmals 9 Frauen vertreten. Der Wegfall der Beschränkungen des Vereins- und Versammlungsrechts führte dazu,

dass allein im Wahlkreis Dortmund-Hörde bis zum Jahre 1908 1400 Frauen (17 % der Mitgliedschaft)in der SPD organisiert waren. Mit dem Eintrittsdatum 1908 tauchen in Kirchhörde erstmals in einem besonderen Anhang auch zwei Frauen auf. Die anderen Frauen in Kirchhörde sind durchweg alle erst 1919 Mitglied der SPD geworden, nachdem sie auch das Wahlrecht erhalten haben.

Zahlreichen zeitgenössischen Darstellungen und Berichten ist zu entnehmen, dass zu jener Zeit viel Mut dazu gehörte, sich offen zur Sozialdemokratie zu bekennen. So sollte am 8. Juli 1906 in Kirchhörde das Zahlstellenfest stattfinden. Es wurde jedoch „von Seiten unserer Polizeibehörde die öffentliche Genehmigung nicht erteilt, weil die Polizeiverwaltung dem Überhand­nehmen öffentlicher Festlichkeiten zu steuern suche“. Und so traf man sich – nach dem Veranstaltungskalender vom 29.06. – im Arbeiterturnverein „Starke Eiche“. Ein besonderer Deckmantel für unverdächtige Parteiveranstaltungen war der Arbeiter-Gesang-Verein „Vergissmeinnicht“ Kirchhörde. Auf einem Erinnerungs­photo von dessen Fahnenweihe am 30. Juni 1907 findet man allein 10 Namen, die auch in der Mitglie­derliste des  Ortsvereins Kirchhörde stehen.

Trotz der Repressalien von staatli­chen Stellen stimmten im Landkreis Horde bis zum Jahre 1912 immer mehr Bürger für die SPD. Die abso­lute Stimmenzahl stieg auf 48 838 (44,8 %), das waren etwa 10 000 mehr als bei den Wahlen von 1907 Es war sicher Freude und Genugtuung zugleich für die Mit­glieder der SPD in Kirchhörde, das nach einer Stichwahl im gleichen Jahre Dr. August Erdmann (SPD) für den Wahlkreis Dortmund – Hörde in den Reichstag einzog.

Über die Folgezeit werden die Informationen spärlicher. Die Zahl der Mitglieder stieg ständig. Der 1. Weltkrieg schränkte aber das poli­tische Leben stark ein. Viele Männer waren eingezogen und die daheim gebliebenen hatten es wahrlich nicht leicht. Die Verschlechterung der Lebensumstände im Krieg traf die Arbeiter besonders hart.

In der politischen Diskussion war man sicherlich ebenso hin und her gerissen zwischen dem „Burgfrie­den“, den die Sozialdemokraten mit der Reichsregierung zur Bewilli­gung der Kriegskredite geschlossen hatten und der Spaltung der Partei in den Folgejahren.

Und dann kam das Jahr 1918 und mit ihm das Ende des Kaiserreiches. Der Umbruch wirkte sich auch in Kirchhörde aus. 1919 zählte der Ortsverein Kirchhörde bereits 101 Männer und Frauen als Mitglieder. Und sie waren erfolgreich tätig. Bei den Wahlen zur Verfassungs­gebenden Nationalversammlung am 19.01.1919 erhielten die Sozial­demokraten in Kirchhörde einen Stimmenanteil von 79,75%.

Bei den Gemeinderatswahlen am 2.03.1919 erreichte die SPD in Kirch­hörde 53,48 % der Stimmen. Inder anschließenden konstituierenden Sitzung des Gemeinderates wurde Fritz Hellweg, einer der Gründer des Ortsvereins und zuvor Obmann der hiesigen Arbeiter- und Solda­tenräte, einstimmig zum Gemeinde­vorsteher von Kirchhörde gewählt.

Und das blieb er bis zur Eingemein­dung im Jahre 1929. Hugo Sick-mann wurde nach seiner Tätigkeit im Amt Kirchhörde Kreistagsdepu­tierter im Landkreis Horde.

Die folgenden Jahre waren be­wegte Zeiten. Putschversuche von links und rechts, Generalstreik und militärische Repression bestimmten das politische Leben, führten aber letztlich zu einer Spaltung und damit Schwächung der Arbeiter­klasse. Die Ruhrbesetzung und die anschließende Inflation erschwerten die wirtschaftlichen Verhältnisse. An den passiven Widerstand der Arbei­terschaft gegen die Ruhrbesetzung in jener Zeit zeugt noch heute der Gedenkstein an der Eisenbahnbrü­cke vor dem Möllershof.

Eine starke Zäsur brachte für den Bereich Kirchhörde und Löttring-hausen natürlich die Eingemein­dung nach Dortmund am 1. August 1929, die vom größten Teil der Bevölkerung des Landkreises Horde abgelehnt wurde. Die Stadt Dort­mund richtete in Kirchhörde zu­nächst noch eine Verwaltungsstelle ein. Aber schon ab 1930 gehörte Kirchhörde mit Löttringhausen zur neu gebildeten Verwaltungsstelle Hombruch. Bei den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung am 17 November 1929 erhielt die SPD in Kirchhörde immerhin fast 59% und in Löttringhausen fast 47% der Stimmen. Ihr Anteil lag damit deutlich über ihrem Stimmenanteil im alten Stadtgebiet von Dortmund.

Und die Zeiten wurden noch schwieriger. Der schwarze Freitag an der Börse in New York löste im 

Oktober 1929 die Weltwirtschafts­krise aus. Die stark ansteigende Arbeitslosigkeit blieb nicht ohne politische Auswirkungen und alle Aktivitäten der Sozialdemokraten konnten die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 nicht verhindern. Die demokra­tischen Parteien wurden verboten – die SPD am 22Juni 1933. Das demokratische Leben fand ein jähes Ende.

Man muss – im Nachhinein betrach­tet – den Mut der aktiven Parteimit­glieder bewundern. Fritz Henßler, Stadtverordneten­vorsteher in Dortmund, der seit 1934 in Kirchhörde wohnte, wur­de im April 1933 zum ersten Mal verhaftet, wieder freigelassen, anschließend verurteilt und in das Konzentrationslager Sachsenhau­sen verschleppt, wo er bis 1945 zubringen musste.

Ewald Reinke, Hauptlehrer an der Langelohschule in Löttringhausen und von 1924 bis 1929 Gemeinde­vertreter in Kirchhörde und dann Stadtverordneter in Dortmund, ließ sich trotz zu erwartender Schikane nicht davon abhalten, bei den Kom­munalwahlen am 12. März 1933 zu kandidieren.

Fritz Hellweg, der einstige Ge­meindevorsteher des Amtes Kirch­hörde verlor schon im April 1933 seinen Arbeitsplatz und war bis 1945 arbeitslos.

Emil Brune, der nach dem Kriege lange im Ortsverein der SPD aktiv tätig war, wurde verhaftet, im Jahre 1935 zu zwei Jahren Zuchthaus ver­urteilt und 1943 in das Strafbatallion 999 versetzt. Und die anderen?

Sie vernichteten alle Unterlagen, um sich und andere nicht in Schwierigkeiten zu bringen und gingen in die innere Emigration…

Neubeginn nach 1945

Nach dem zweiten Weltkrieg begann man schon früh mit dem Wiederaufbau des neuen Ortsvereins der SPD. Nach den Eintragungen im Mitgliederverzeichnis kamen zu den 13 Genossen aus den 30 er Jahren 97 neue Mitglieder hinzu, so dass Anfang 1946 schon 110 Mitglieder den neuen Ortsverein bildeten. Als sich am 28.07 1946 der Stadtbezirk Wellinghofen mit den Orts­gruppen Hombruch, Brünninghausen und Kirchhörde bei Pieper in Brünninghausen traf, war die Neugrün­dung des Ortsvereins schon vollzogen. Heinrich Geh-se – schon seit 1908 Mitglied der SPD und bis 1929 Gemeindevertreter – wurde der erste Vorsitzende.

Und auch Fritz Hellweg war wieder mit dabei. Manch einer der älteren Genossen erinnert sich noch an sei­nen Ausspruch in den Versammlungen: „ Schon August Bebel hat gesagt, den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf“

Fritz Henßler sollte bald eine führende Rolle als Ober­bürgermeister der Stadt Dortmund, als Mitglied des Landtages von Nordrhein – Westfalen und des ersten Deutschen Bundestages sowie als Vorsitzender des Bezirks Westliches Westfalen und Mitglied des Partei­vorstandes der SPD spielen.

Dem Veranstaltungskalender kann man entnehmen, dass wieder eine rege Versammlungstätigkeit einsetzte. Der Ortsverein tagte zunächst bei Hugo Heitmann am Truxhof, dann im Lokal Markaner, bei Freind und später auf Möllers Hof.

Zählten bisher eine große Anzahl von Bergarbeitern zu den Mitgliedern der Partei, so kamen jetzt auch neue Berufe hinzu: Bauunternehmer, Prokuristen, Fahrsteiger, Kaufleute und Beamte; ein Zeichen für den Wandel der Sozialstruktur, der in Kirchhörde und Löttringhausen eingesetzt hatte. Und der sollte sich mit der Ausweitung der Wohngebiete und dem Zuzug vieler neuer Bürger noch verstärken. Viele Bergarbeiter aus dem Ort waren auf der Zeche Gottessegen beschäftigt. Ihre Stilllegung am 18.04.1963 bedeutete für sie den Wegfall ihres Arbeitsplatzes, den vorzeitigen Ruhestand, weite Wege zu ihrer neuen Zeche oder Suche nach einem neuen Arbeitsplatz.

Die zweite Vorsitzende des Ortsver­eins Kirchhörde – Löttringhausen nach dem Kriege, Philipp Wöllhardt, war gleichzeitig der Vorsitzende des Sportvereins Kirchhörde und viele Jahre Sprecher des Bürgeraus-schusses Hombruch. Seinem uner­müdlichen Wirken ist es zu verdan­ken, dass nach der Gründung des Sportvereins Kirchhörde im Jahre 1958 schon bald die Errichtung des neuen Sportplatzes an der Kobbendelle folgen konnte.

Wenn auch der Ortsteil Löttringhau­sen gegenüber Kirchhörde anfangs nur eine geringe Anzahl von Par­teimitgliedern aufwies, so ist seine Bedeutung im Laufe der Zeit doch erheblich gestiegen. Ausschlagge­bend dafür war die Ausweitung der Wohngebiete in den 60 er Jahren. Die Partei trug dieser Entwicklung Rechnung und nannte sich fortan Kirchhörde – Löttringhausen. Schon Ende 1973 verteilte sich die Zahl der Mitglieder fast gleichmäßig auf beide Ortsteile. Ihre Zahl hatte sich bis dahin auf 508 erhöht. Frauen spielten eine immer größere Rolle; ihr Anteil stieg auf 136.

Es gab viel zu tun in den Nachkriegsjahren. Nach Philipp Wöllhardt haben die Mitglieder des Ortsvereins Horst Martens und Friedel Drupp über viele Jahre, vom Vertrauen der Bevölkerung getra­gen, die Interessen der hiesigen Bürger im Bürgerausschuss bzw. der Bezirksvertretung Hombruch und im Rat der Stadt Dortmund vertreten. Und Sozialdemokraten haben sich darüber hinaus in vielen Bereichen und Vereinen engagiert. 

Dieses Engagement war bei der stark zunehmenden baulichen Entwicklung insbesondere auf die Verbesserung der kommunalen In­frastruktur gerichtet. Dazu gehören die Kleingartenanlagen im An-schluss an die neuen Wohnbereiche in Löttringhausen ebenso wie der Neubau der Schule mit Turnhalle in Kirchhörde an der Kobbendelle. Viele Bürger nutzen heute das gute Wanderwegenetz in den umlie­genden Wäldern und entlang des Kirchhörder Baches. Die Kinder erfreuen sich an dem schönen Kinderspielplatz am Kirch­hörder Berg, lange geplant und endlich umgesetzt.

Vertreter der SPD haben sich im Löttringhauser Dorfverein stark engagiert und das „Wir – Gefühl“ 

in diesem Ortsbereich gesteigert. Es konnten Wohnwertverbesserungen erreicht und durch die Wiederbele­bung des Einkaufszentrums mit dem wöchentlich stattfindenden Markt die Attraktivität dieses Ortsteils gesteigert werden.

Wie schon vor hundert Jahren gehört ein lebhaftes und aktives Vereinsleben zum Erfolgsrezept des Ortsvereins. Wer erinnert sich nicht gern der Maifeiern, Nikolaus- und Weihnachtsfeiern, zu denen nicht nur die SPD Mitglieder eingeladen waren. Der Möllershof bot dazu stets einen würdigen Rahmen. Viel Anklang fanden die Theaterbe­suche und die Veranstaltungen „Holiday on Ice“ in der Westfalen­halle. Große Resonanz fanden auch die Sommerfeste und in den letzten Jahren der immer wieder stattfin­dende Jazz – Frühschoppen auf dem Möllershof. Politische Bildungs­veranstaltungen mit Besuchen von Landtag und Bundestag gehörten ebenso dazu wie der Gedanken­austausch mit befreundeten Orts­vereinen in der Nachbarschaft und darüber hinaus.

Wenn die SPD in Kirchhörde – Löttringhausen jetzt stolz auf ihr 100 jähriges Wirken zurückblickt, ist diese Tradition zugleich Ansporn für eine erfolgreiche Tätigkeit in der Zukunft. Wir haben gezeigt, dass wir dabei das Wohl der Bürger stets im Auge behalten.